Über den binooki Verlag

Achtung! Klischeefreie Zone.

Uns waren als Verlegerinnen von Anfang an zwei Dinge wichtig, die beide zusammen und getrennt zugleich im Vordergrund stehen sollten. Zum einen ein Bild der Türkei abseits von Klischees, Moscheen und Tausend-und-einer-Nacht-Fantasien zu zeigen, ein Bild der modernen Türkinnen und Türken, das hierzulande nicht nur seit der aktuellen politischen Situation so häufig unterzugehen scheint. Zum anderen die Texte und Geschichten in Deutschland bekannter zu machen, die den Titel ‚türkisch‘ im Grunde nicht benötigen und in keinster Weise der Literatur anderer Länder in ihrer Kraft und Einzigartigkeit nachstehen: Frech, anspruchsvoll, kritisch, tragisch, humorvoll, absurd, romantisch, spannend, feministisch, poetisch.

Wir eröffneten unser Programm 2012 mit einem Erzählband von Oğuz Atay, dem Schriftsteller, der die türkische Literatur geprägt hat wie kein anderer. Vier Jahre später haben wir sein größtes Werk erstmalig in deutscher Sprache veröffentlicht, obwohl es bisher als unübersetzbar galt. »Die Haltlosen« ist 1970 in der Türkei erschienen und befindet sich dort bereits in der 79. Auflage. Es ist das Opus Magnum der türkischen Moderne, das Buch, das die Intellektuellen der Türkei bis heute beschäftigt und das bei den Gezi-Protesten 2013 in seiner zeitlosen Bedeutung eine ganz junge Generation inspirierte.

Wenn ein solches Jahrhundertwerk seit über 40 Jahren verschiedenste Generationen im Geiste miteinander verbindet, dann glauben wir fest daran, dass Literatur auch die Brücke zwischen Europa und Asien, zwischen dem viel zitierten Orient und Okzident schlagen kann. Wenn ein Autor wie Emrah Serbes in der Türkei mit seinen regierungskritischen und freiheitsliebenden Texten trotz der ständigen Repressalien durch Zensur oder Anklagen wegen Majestätsbeleidigung hunderttausende junge Leser bewegt, wenn sich die Klischees der unterdrückten Frau durch die Geschichten der Feministin Sevgi Soysal in »Tante Rosa« in Luft auflösen, wenn die fantastischen »Legenden von Perg«von Barış Müstecaplıoğlu eine wundervolle Allegorie auf das Zusammenleben verschiedenster Kulturen erschafft, dann bedeutet das für uns als Verlegerinnen eben diesen Brückenschlag zwischen der Heimat unserer Eltern und dem Land in dem wir geboren sind. Dann bedeutet das für uns nicht nur die Hoffnung auf eine klischeefreie Zone, sondern die Hoffnung auf eine Zukunft, in der wir unsere Kinder aufwachsen sehen wollen.

Selma Wels & Inci Bürhaniye

Berlin, 2016